08.12.2020

Praxisbericht Wasserstoff: So fährt sich der emissionsfreie LKW

Im Praxistest des grenzüberschreitenden Projekts „H2-Share“, das in sechs nordwesteuropäischen Regionen emissionsfreie Wasserstoff-Brennstoffzellen-LKW im schweren Güterverkehr erprobt, ist Düsseldorf als einzige Testregion in Deutschland ausgewählt worden: Jetzt fährt – für einen Testzeitraum von ungefähr sechs Wochen – ein Wasserstoff-LKW für die ABC-Logistik GmbH. Peter Pach ist einer unserer erfahrensten Fahrer und freut sich darüber nach 30 Jahren im klassischen LKW etwas komplett Neues testen zu dürfen.

Herr Pach, Sie sind jetzt seit circa drei Wochen mit dem Wasserstoff-LKW unterwegs. Wie macht sich der Neue?
„Das ist wirklich etwas ganz Tolles. Ich habe über 30 Jahre Berufserfahrung, aber das ist mal was ganz Neues. Ein ganz anderes Fahrgefühl. Der Wasserstoff-LKW ist ja im Grunde ein Elektro-LKW und rollt ganz geschmeidig und leise.“

Vermissen Sie nicht das gewohnte Brummen?
„Nein, überhaupt nicht. Es ist einfach toll, wie sich die Technik weiterentwickelt. Bei ABC-Logistik haben wir ja sowieso immer LKWs, die auf dem neusten Stand sind. Nach ungefähr drei Jahren wird die Flotte ja eh erneuert. Da achtet der Chef schon gut drauf. Nachdem die Entwicklungen bei LKWs, aber nur noch in kleinen Schritten vorankamen, ist das jetzt mal wieder ein riesiger Sprung in der Entwicklung.“

Sind Sie schon auf das neue Fahrzeug angesprochen worden, wenn Sie bei Kunden vorfahren?
„Ja, es ist sogar schon einmal laut applaudiert worden, als ich angekommen bin. Die Leute dort waren ganz aus dem Häuschen. Soviel Aufmerksamkeit war mir ehrlich gesagt fast unangenehm. Aber einen Wasserstoff-LKW hatte bis heute noch keiner gesehen. Auch bei anderen Kunden kommen die Mitarbeiter alle gucken und stellen Fragen.“

Was wird denn am häufigsten gefragt?
„Die meisten wollen wissen, wie groß die Reichweite ist. Auch, wenn der Hersteller sagt, dass mit einer Tankfüllung 400 Kilometer zurückgelegt werden können, sind es in der Praxis unter Voll-Last und bei kalten Temperaturen nur etwas mehr als 200 Kilometer. Da ist noch Luft nach oben!“

Das heißt, dass Sie häufiger Tanken müssen? Wie muss man sich den Tankvorgang vorstellen?
„Genau, das ist hier in Düsseldorf aber überhaupt kein Problem. Wir haben eine Wasserstoff-Tankstelle, die gut erreichbar ist. Wenn mehr Fahrzeuge mit Wasserstoff unterwegs sind, dann muss das Netz natürlich noch besser ausgebaut werden. Aktuell muss ich, bevor ich zur Tankstelle fahre, bei der Tankstelle anrufen, Die Mitarbeiter schalten die Tankstelle dann frei und dann wird Wasserstoff nachgefüllt. Das ist gar nicht so anders als beim Benzin- oder Gastanken.“

Ihr Fazit nach den ersten Wochen mit Wasserstoff?
„In erster Linie freue ich mich darüber etwas Neues auszuprobieren. Das Fahrzeug fährt sich sehr schön, der Elektromotor macht alles sehr leise und die Reichweite ist für meine Innenstadtlieferungen auch ausreichend. Ich freue mich auf die Entwicklungen in den nächsten Jahren!“

Im Projekt H2Share geht es um die Demonstration eines brennstoffzellen-elektrischen 27 to Gliederzug-LKW, der von der Fa. VDL aus den Niederlanden gebaut wurde, sowie einer mobilen Wasserstofftankstelle, die von der Fa. Wystrach aus Weeze entwickelt wurde. Der  Standort in Düsseldorf ist der zweite in einer Reihe von 6 Demonstrationsstandorten. H2 Share wird durch das Interreg North West Europe (Interreg NWE) Programm gefördert und soll die Marktentwicklung für klimafreundliche  Schwerlast-LKW, die mit Wasserstoff fahren, unterstützen.

Weitere Infos unter: https://www.nweurope.eu/projects/project-search/h2share-hydrogen-solutions-for-heavy-duty-transport/